Künstler

Ralph Fleck

In den achtziger Jahren wurde der Künstler Ralph Fleck mit Serien von Gemälden und Papierarbeiten bekannt, deren Gebirgs-, See- und Wiesendarstellungen klassische Motive der Landschaftsmalerei zeigen. Darunter befindet sich das kleinformatige Feldstück 27/VIII von 1996, das den Ausschnitt eines Korn- oder Blumenfeldes zeigt. Der Blick fällt von oben auf die gelbe Flur; allein die vereinzelt aufragenden grünen Halme lassen ein Oben und Unten erkennen. Mit energischem Strich wurde die Ölfarbe auf das Packpapier aufgetragen, so dass das eigentliche Motiv hinter den plastischen Strukturen der Farbe zurücktritt. Es sind weniger die Blüten und Halme, an denen der Blick hängen bleibt, als vielmehr das Relief der pastos verstrichenen Farbe. “[D]ie Ölfarbe, so der Maler Peter Dreher angesichts früher Arbeiten seines Meisterschülers Fleck, “windet sich unter dem Werkzeug, macht sich heller, dunkler, trüber, silbriger, überdeckt, breitet sich aus, zieht sich zusammen, schmiegt sich an, sträubt sich [Š]. Immer wieder nimmt Fleck Anlauf, die Eigenschaften des Materials zu erkunden und Strich um Strich Kompositionen entstehen zu lassen, die sich zwischen Abstraktion und Figuration bewegen.

Aufgrund der Nähe und Größe, in der die Feld- und Wiesenmotive dargestellt sind, tendieren die Werke eher in den Bereich der Abstraktion. Im Fall der Gemälde, bei denen Fleck seine Motive aus größerer Distanz zeigt, sind die dargestellten Situationen dagegen deutlich zu erkennen. Auf den Stadionbildern, die wie Stadion 24/VII (2004) und Wintersport 14/VIII (2005) in den letzten Jahren entstanden sind, sieht man beispielsweise dicht besetzte Zuschauerbühnen aus der Vogelperspektive. Bei aller Unruhe geben die Ausgewogenheit der Farbtöne und die Regelmässigkeit der Pinselstriche den Motiven eine gleichmäßige Struktur und Rhythmisierung, so dass hier das Streben nach malerischer Struktur und Ordnung im Mittelpunkt steht. Zu einer verstärkten Abstraktion des Stadionmotivs gelangt Fleck im Fall von Länderspiel 19/VIII (2002), auf dem die Personen mit langen Strichen und in ähnlicher Farbgebung skizziert werden. Es geht hier weniger um ihre Unterscheidbarkeit als vielmehr um die Darstellung einer Masse, deren bewegte Spannung mit dem Flattern der Fahnen korrespondiert.

Bei seinen Stadtmotiven wählt Fleck ebenfalls distanzierte Standpunkte, die den Blick von oben über Häuser- und Straßenzüge schweifen lassen. Barcelona 7/X (2004) zeigt einen Boulevard der katalanischen Hauptstadt, gesäumt von Bäumen und Häuserwürfeln. Schräg zieht sich die Avenue vom unteren Rand zur rechten oberen Ecke durch das Bild ­ eine nach links abzweigende Straße bildet dazu ein kompositorisches Gegengewicht. Bei der Entwicklung und Klärung seiner malerischen Darstellungen verlässt sich Fleck nicht allein auf seine Erinnerung. Vielmehr nimmt er fotografische Aufnahmen zuhilfe, die häufig von ihm selbst gefertigt wurden. Zwischen der visuellen Fülle seiner Motive und der strukturierenden Kraft seiner malerischen Mittel pendelnd gelangt Fleck in seinen Gemälden zu einer klaren und festen Ordnung, die es bei jedem weiteren Werk wieder neu zu gewinnen gilt.

Ralph Fleck

geb. 1951 in Freiburg i. Br.
lebt in Freiburg, bzw. Kirchzarten

1973–78 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe / Außenstelle Freiburg, Meisterschüler bei Peter Dreher

Preise / Stipendien

1977 ‚Landschaft heute’ Förderpreis der Sparkasse Karlsruhe
1978 Preisträger des Kulturkreises im BDI
1981 Stipendium Villa Massimo in Rom
1982 Förderkoje Kunstmesse Düsseldorf bei Galerie Hermeyer, München
1984-85 Aufenthalt an der Villa Massimo in Rom

Einzel- und Gruppenausstellungen u. a. im Kunstverein Weil am Rhein, Museum Ulm, in der Galerie Moderna Ljubljana, im Haus der Kunst, in der Galerie Hermeyer, München; Galerie von Braunbehrens, München; Galerie Winkelmann, Düsseldorf; Galerie Brennecke, Berlin; Purdy/Hicks Gallery, London

Bibliografie

Ralph Fleck. Giverny 1988/89, Ausst. Kat., Galerie Hermeyer, München 1989.
Ralph Fleck. Alpen und Felder. Bilder und Arbeiten auf Papier, Ausst. Kat., Galerie von Braunbehrens, hrsg. v. Axel Zimmermann, München 1999.
Ralph Fleck. Unterwegs, Ausst. Kat., Galerie von Braunbehrens, hrsg. v. Axel Zimmermann, München 2001.
Ralph Fleck. 2001–2005, Ausst. Kat. Galerie von Braunbehrens, München 2005.