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Projekte, die Hörmann zur Zeit fördert

Tanzen als gesellschaftskritische Praxis


Tanz der Eigenerfahrungen

(Pina Bausch lotet) die Widerstände im menschlichen Miteinander aus. Sie interessiert sich für die gesellschaftlichen Ablagerungen, die den Zugang zu Empfindungen behindern, sie untersucht die gesellschaftlichen Normen, Repressionen, Zwänge, die Zurichtungen des Körpers. Gesellschaftliche Macht wird bei ihr als körperliche Begrenzung und Verformung gezeigt und demaskiert.

 

Ganzheit

Trotz der unterschiedlichen Stilrichtungen, die die Vertreter(Innen) des Tanztheaters entwickelt haben, ist ihnen allen die Abkehr vom Idealbild des schönen Scheins und eine zum Teil radikale Kritik an der Industriegesellschaft, die dem Einzelnen die Erfahrung der ‚Ganzheit’ verweigere, gemeinsam.

 

Tanz, Altern, Tod

Die unmittelbare Präsenz, die der Bühnentanz vorführt oder thematisiert, verweist negativ immer auf eine absolute Abwesenheit, letztlich den Tod. Insbesondere das Tanztheater erinnert daran, dass die Verfügbarkeit von Körpern zeitlich begrenzt ist; dass Körper altern, verfallen, sterben... Im zeitgenössischen Bühnentanz und vor allem im Tanztheater sind die Tänzer nicht mehr jung und schön, sondern sie tanzen bis ins hohe Alter, sie sind nicht glatt und unversehrt, sondern von den Spuren des Lebens gezeichnet.

 

„Aus der Reihe tanzen ...“

... im Bühnentanz besetzen auch nicht-ästhetisierte Körper den Raum und ermöglichen im Spiel um An- und Abwesenheit die Reflektion der partikularen, nicht verwertbaren Erfahrung von Präsenz...

 

Aus: Vera Trappmann: Widerspenstige Körper: Kapitalismuskritik im Tanz (MS 2009)