Künstler

Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt

Mitte der 1980er Jahre lernten sich Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt während des Bildhauerstudiums an der Kunsthochschule Kassel kennen. 1992 begann ihre Zusammenarbeit, aus der zunächst die Werkgruppe Same Same hervorging. Dieser Titel verspricht, was niemals zu halten ist und in der Folge auch programmatisch aufgegeben wird: die identische Reproduktion eines Gegenstandes.

Die Reproduktionen, die Winter und Hörbelt von einer Madonnenfigur, von Flaschen und Puppen in Gips oder Harz herstellten, weichen nämlich erheblich von den jeweiligen Originalen ab; denn sie entstehen aus flexiblen Gussformen, in denen das Material immer wieder anders aushärtet. Zu Gruppen zusammengefügt wie etwa bei Trupp (1993) machen die Reproduktionen in ihrer formalen Eigenständigkeit die Gratwanderung offensichtlich, die jede Kopie zwischen Ähnlich- und Unterschiedlichkeit vollführt.

Zahlreiche Experimente brachten Winter und Hörbelt zu einem Gussmaterial, das sie als HOEWI 301 bezeichnen und das auf Tierknochenleim basiert. Die 1995/96 entstandene Skulptur Block besteht aus diesem Material, dessen wesentliche Eigenschaft die extreme Veränderung der Form während des Aushärtens ist. Aspekte des Zufalls und der Vergänglichkeit, die bereits die Entstehung der vorangegangenen Skulpturserien prägten, werden mit HOEWI 301 noch prägnanter gezeigt.

Eher beiläufig entwickelten Winter und Hörbelt Mitte der neunziger Jahre jene architektonischen Konstruktionen aus Mineralwasser-Kästen, für die sie heute bekannt sind. 1998 installierten sie auf dem Bonner Museumsplatz das begehbare „Kastenhaus 1330.11“. Es setzte sich aus konvex und konkav geschwungenen Wänden aus braunen und grünen Mineralwasserkästen zusammen. Der Zusatz 1330.11 gibt die Anzahl der verwendeten Kästen an (1330) und der Reihen, in denen sie gestapelt wurden (11). Die Kastenhäusern nehmen immer neue Gestalt an. Sie sind stets ohne Reklameaufdruck. In ihrer Funktion sehr flexibel fungieren die Häuser als Bushaltestelle, Kino, Informationshäuschen oder als Durchgänge. Die Auseinandersetzung mit der Ästhetik und Funktionalität alltäglicher Gegenstände, die bereits die Same Same-Serien bestimmte, spielt auch bei der Verwendung von Plastikkisten eine zentrale Rolle. Zudem greifen die Kastenhäuser die seit Jahren geführte Debatte um Zweck und Form von Kunst im Öffentlichen Raum auf. Betrachtet man sie mit ihren elegant geschwungenen Formen und dezenten Farbmustern als Großskulpturen, so stellen sie das gängige Bemühen in Frage, plastische Werke entweder in die Kategorie der autonomen Skulptur oder der kontextbezogenen Installation einzuordnen.

Wolfgang Winter

geb. 1960 in Mühlheim
lebt in Frankfurt am Main

Ausbildung

1985–1989   
Studium an der Kunsthochschule Kassel und der Städelschule in Frankfurt am Main

seit 1993  
 Lehrauftrag an der Städelschule in Frankfurt am Main

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Berthold Hörbelt

geb. 1958 in Coesfeld
lebt in Frankfurt am Main

Ausbildung

1985–1989  
Studium an der Kunsthochschule Kassel

1993–1998   
Lehrauftrag „Plastisches Gestalten“ an der Fachhochschule Münster

seit 1992     Kooperation Winter/Hörbelt

Seit 1994 Einzel- und Gruppenausstellungen in Ausstellungsinstitutionen und Galerien, u. a. Westfälisches Landesmuseum Münster, Goethe-Institut Hanoi, Hamburger Kunsthalle, 48. La Biennale di Venezia, Rice University Gallery, Houston, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main.

Literatur

Winter / Hörbelt, hg. von Friederike Wappler für das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Ostfildern-Ruit 2003.
Wolfgang Winter / Berthold Hörbelt, Florian Matzner (Hg.), Ostfildern-Ruit 1999.