Künstler

Ritchie Riediger

Im Dezember 2003 wurde am Leipziger Eck, wo die Pleisse in das Elsterflutbett mündet, ein wandelfähiges und vieldeutiges Denkmal enthüllt: [OSZO 5]™. Der Goldene Reiter von Ritchie Riediger. Bei Tag steht man einem Kubus aus dickwandigen Glasscheiben gegenüber, der auf einen mächtigen Stahl-Beton-Sockel montiert ist. Bei Nacht und rückwärtiger Beleuchtung formiert sich in den Scheiben hingegen die Figur eines pink fluoriszierenden, auf seinen Hinterbeinen stehenden Pferdes, dem – im Widerspruch zum Titel – der Reiter fehlt.

Das Kürzel Oszo geht auf den Begriff ‚Oszillieren’ zurück und bezeichnet verschiedene von Riediger erfundene Visualisierungstechniken. So verbirgt sich hinter [OSZO 5]™ ein Verfahren, bei dem die Darstellung eines dreidimensionalen Körpers computertomografisch zerlegt wird, um anschließend wieder zu einem Hologramm zusammengesetzt zu werden. Bei [OSZO 1]™, dem ersten Verfahren, das Riediger patentieren ließ, werden modulierte elektronische Signale – Musiktöne etwa – in bewegte Bilder verwandelt. Gemeinsam mit dem Künstler Olaf Nicolai realisierte er 2001 in der Berliner Parochialkirche die Sound- und Videoinstallation [OSZO 1] ™. crystel s. Auf riesige, im Raum hängende Leinwände projizierten sie die abstrakten visuellen Übersetzungen der gleichzeitig erklingenden elektronischen Musik.

Mit seinem pink strahlenden Goldenen Reiter am Leipziger Eck bezieht sich Riediger zum einen auf das Deutsche Eck in Koblenz, das von einem nachts angestrahlten, wuchtigen Kaiser Wilhelm-Denkmal bestimmt wird und zum anderen auf das barocke Reiterstandbild von August dem Starken im Zentrum von Dresden. Die Tradition des Reiterdenkmals ist eng mit autoritären Macht- und Herrschaftsansprüchen verknüpft. Da im Fall des Goldenen Reiters weder der Reiter noch das Pferd dauerhaft präsent sind, klammert das Denkmal einen solchen Anspruch jedoch von vorneherein aus. Stattdessen stößt uns Riediger – wie so oft mit seiner weit gefächerten Tätigkeit als Künstler, Grafiker, Komponist, Filmemacher und Ingenieur – auf unser naives Vertrauen in die Untrüglichkeit der Wahrnehmung und auf das vielschichtige Verhältnis von greifbarer und medialer Realität.

Ritchie Riediger

geboren 1967 in Weißenfels
lebt in Leipzig

Studium / Stipendien

1992–1995
Studium der Politikwissenschaft und Soziologie, Universität Freiburg i. Br. und Universität Leipzig

1995–2001
Kunststudium, Burg Giebichenstein Halle und Hochschule für Gestaltung und Buchkunst, Leipzig, Diplom mit Auszeichnung

2001
Hans Peter Stipendium der Sparkasse Leipzig

2007
Stiftung Kunstfonds für Zeitgenössische bildende Kunst, Bonn

Einzel- und Gruppenausstellungen sowie Präsentationen u. a. in der Maerzgalerie, Leipzig, Galerie B2, Leipzig, Galerie Born + Busse, Leipzig, Galerie Elten + Elten, Zürich, im Laden für Nichts, Leipzig, in der Galerie für zeitgenössische Kunst, Leipzig, im Museum für Moderne Kunst, Frankfurt a. M., im ZKM, Karlsruhe und auf der Biennale für Elektronische Kunst, Rom.