Künstler

Arne Quinze

Schlagartig wurde der belgische Designer, Architekt, Künstler und selbst ernannte Rebell Arne Quinze bekannt als er anlässlich des Burning Man Festival 2006 die riesige, zwischen Skulptur und Architektur stehende Arbeit Uchronia: A Message from the Future in die Wüste von Nevada setzte. Das gemeinschaftlich mit dem Philosophen Jan Kriekel entwickelte Projekt entstand ohne detaillierte Planung. Erst während des Konstruktionsprozesses wurde die Form der tragenden Säulen und des sanft geschwungenen, ausladenden Daches festgelegt. Konstruktion und Zufall spielen hier gleichberechtige Rollen, so dass in Uchronia rationale wie emotionale Seiten des Menschen Ausdruck finden. In seiner Einfachheit erinnert die Konstruktion an die Archaik vergangener Bauten, zugleich lassen die amorphen Strukturen an utopische Architektur- und Städtebauentwürfe denken. Auf das Unzeitgemäße verweist bereits der Titel, da ‚uchronia’ – als zeitliches Äquivalent zu ‚utopia’ – soviel wie ‚Nicht-Zeit’ bedeutet. Konsequenterweise existierte Uchronia nur temporär. Kaum vollendet wurde die Konstruktion in Brand gesteckt, da nach dem Festival nichts in der Wüste zurückbleiben darf.

Seither hat Quinze bei verschiedenen Gelegenheiten Variationen der filigranen hölzernen Gitterkonstruktion umgesetzt. Besonders spektakulär war die 18 Meter hohe und 40 Meter lange Skulptur Cityscape, die 2007 in einem eher heruntergekommenen Stadtteil von Brüssel aufgebaut wurde. Laut Quinze sollte die Skulptur Menschen zusammenbringen, indem sie die gigantische Holzkonstruktion gemeinsam bestaunten und diskutierten. Es sollten Fragen nach dem Warum entstehen, die sich nicht allein auf das fremd anmutende Gebilde, sondern auch auf die eigene Position und die unmittelbare Umgebung bezogen.

Wenngleich den Arbeiten Rebirth und Traveller, die Quinze 2008 anlässlich der Wiedereröffnung des Pariser Art Déco-Hotels Le Royal Monceau und der Eröffnung der Münchener Filiale von Louis Vuitton realisiert hat, wohl kaum ein vergleichbarer gesellschaftskritischer und -reformerischer Impuls zugrunde liegt, riefen seine sperrigen und zugleich eleganten Holzstrukturen hier ebenfalls Erstaunen und Faszination hervor. Bisher wurden seine Skulpturen meist kurz nach ihrer Entstehung wieder abgerissen, so dass abzuwarten bleibt, ob eine von ihnen die Zeit überdauern wird.

Arne Quinze

geboren 1971 in Belgien
lebt in Belgien

Autodidakt als Graffiti-Künstler, Designer, Architekt und Künstler
Gründer und Leiter des Studio Arne Quinze, Belgien (Agentur für Design und konzeptuelle Architektur)
Mitbegründer und Art-Director des Design-Labels Quinze & Milan, Belgien / U.S.A.
2001 Henry Van de Velde Award

Verschiedene Objekte und Ausstellungen, u. a. die Sitzmöbel Primary Pouf, Seattle Frame Seat und Club 01, Kindermöbel minus+, sowie die Installationen Uchronia: A Message from the Future in Black Rock City, Nevada, Cityscape in Brüssel, The Sequence in Brüssel, Traveller in München

Bibliografie

Arne Quinze Works, R. Klanten; L. Feireiss (Hg.), Berlin 2008
Arne Quinze. Cityscape. The Book, Berlin 2008