Künstler

Julius Popp

Den Hintergrund der Rauminstallation bit.fall. Untersuchung zu Wertewandel und kulturellen Veränderungen von Julius Popp bestimmt ein Rauschen, das von einem Vorhang dicht fallender Wassertropfen herrührt. Dank eines ausgeklügelten Systems von 320 Magnetventilen bilden die hell angestrahlten Tropfen Wörter, die sich im Herabfallen wieder auflösen. Sie greifen aktuelle Schlagwörter auf, die ein Computerprogramm nach statistischen Kriterien verschiedenen Nachrichtendiensten im Internet entnimmt. Kurz können wir „Hoffnung“, „Telekom“, „Urteil“ lesen, dann verschwinden die Wörter. Für Popp bildet der permanente Wasserfluss eine Analogie zum Strom der Informationen, die uns tagtäglich über das Internet und andere Kanäle erreichen. Bit.fall stellt den Versuch dar, aus dieser Flut inhaltlich relevante Begriffe herauszufiltern, um – wie der Untertitel der Arbeit ankündigt – Wertewandel und kulturelle Veränderungen zu analysieren. Ob Ersteres auf diesem Weg gelingt, bleibt ungewiss; Letzteres stellen bereits die Flüchtigkeit und Vielfalt der vorbeirauschenden Wörter unter Beweis.

Die Abkürzung bit findet sich in den Titeln mehrerer Arbeiten von Popp, so auch bei bit.string aus dem Jahr 2007. In der Informationstechnologie bezeichnet ein ‚bit string’ die Kettung binärer Variablen – also von Variablen, deren Informationsgehalt zwei gleich wahrscheinliche Zustände möglich macht. Eine Vielzahl von Möglichkeiten bestimmt auch die Gestalt von bit.string, die aus flexibel kombinier- und drehbaren Metallelementen besteht. Symbolhaft stehen sie für jeweils einzelne Buchstaben, Wörter oder Sätze, so dass der Betrachter/Benutzer sie beliebig aneinanderreihen und so seinen Gedanken eine feste, raumgreifende Form geben kann. Ähnlich wie bei bit.fall geht es darum, die Relevanz von Informationen und Gedanken zu untersuchen. Anstatt jedoch deren Gültigkeit über den Weg der Flüchtigkeit zu überprüfen, stellt Popp sie hier über ihre Dauerhaftigkeit in Frage. Gleich der Annordnung wissenschaftlicher Experimente lassen seine zwischen Technologie, Wissenschaft und Kunst stehenden Skulpturen und Installationen dabei die Antworten stets offen.

Julius Popp

geboren 1973 in Nürnberg
lebt in Leipzig

Studium

seit 1998  Kunststudium an der Hochschule für Gestaltung und Buchkunst, Leipzig, Meisterschüler bei Prof. Astrid Klein

Preise (Auswahl)

2008 Ars Electronica, Award of Distinction
Kunstförderpreis der Akademie der Künste

2007 Vida Award

2004 Auszeichnung für Innovation und Technik – Kunstförderpreis der Stadtwerke Halle und Leipzig

2003  Robot Choice Award

2002 Peterhans Stipendium der Leipziger Medienstiftung (Sparkasse Leipzig)
Kunstförderpreis der Stadtwerke Halle und Leipzig

Einzel- und Gruppenausstellungen u. a. in der Dogenhaus Galerie, Leipzig, im Kunstraum B/2, Leipzig, in der Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig, im Oboro Art Centre, Montréal, in der Kunsthalle Nürnberg, Kunsthalle Wien, Galerie Jocelyn Wolff, Paris, Galerie Nächst St. Stefan, Wien, im Museum of Modern Art, New York und im Mildred Lane Kemper Art Museum, St. Louis