Künstler

Angelina Gualdoni

Die Brüchigkeit und das Scheitern gesellschaftlicher Utopien und Zukunftsvisionen sind zentrale Themen, die die amerikanische Malerin Angelina Gualdoni in ihren Bildern behandelt. Prägnant gelang dies in der Werkreihe Demo zur Anschauung, die sie erstmals 2002 ausstellte. Hinter roten Absperrzäunen sieht man die Reste des zerstörten Horizon Pavillon, der im Epcot Center von Disney World die Future’s World beherbergte. (To Compose, Decompose, Recompose ..., 2002) Gualdoni hatte die Zerstörung des Gebäudes 1999 fotografiert, die Komposition der Gemälde basiert auf diesen Aufnahmen. In einem fünfzehnminütigen Rundgang hatte sich den Besuchern des Pavillons Walt Disney’s Vision des Lebens im 21. Jahrhunderts eröffnet – eine Vision, die von der vollkommenen Kontrolle des Menschen über die Natur ausging und die am Beginn des Jahrhunderts nicht zuletzt aus diesem Grund überholt war. Die Gemälde Gualdonis verweisen auf die Umkehrung der Lage, indem die Vegetation die Überbleibsel des Pavillons einnimmt.

Ein ähnliches Kräftemessen von Natur und Kultur zeigt sich auf den Gemälden der 2004 entstandenen Serie It is Happening Again. Hier hält Gualdoni Gebäude und Orte vorstädtischer Gegenden fest wie ein Einkaufszentrum, eine Parkgarage oder heruntergekommene Highways. (The Slow Continuum that Proceeds in Your Absence, 2005) Es sind architektonische und städtische Gebiete, die ihre Funktion verloren haben. Nachdem Gualdoni im Internet auf die Motive stieß, fuhr sie hin, um sie zu fotografieren. Ihre malerischen Interpretationen heben die Wandlungen dieser Stadtlandschaften hervor, sobald der Mensch sie vernachlässigt. Kulturelle und natürliche Lebensformen konkurrieren hier offensichtlich: je nach Kräfteverhältnis überformt die eine die andere.

In ihren jüngsten Werken führt Gualdoni die Auseinandersetzung mit dem Wandel architektonischer Räume fort, jedoch bleibt die destruktive Stimmung aus. In General Assembly Hall (2007) zeigt sie die Innenansicht einer großen Halle, in der Baugerüste von der Veränderung der gegebenen Situation zeugen. Durch die Transparenz und die offensichtliche Überlagerung mehrerer Farbschichten in den unteren Ecken des Gemäldes macht Gualdoni die Reflexion über den Eigenwertigkeit und die Struktur der malerischen Kompositionsmittel anschaulich, die ihre künstlerische Praxis aktuell bestimmt.

Angelina Gualdoni

geb. 1975 in San Francisco

lebt in Chicago und New York


Ausbildung


2000       
University of Illinois, Chicago, Master of Fine Arts

1997       
Maryland Institute College of Art, Baltimore (MD), Bachelor of Fine Arts

1993–95   
Washington University, School of Art


Preise und Stipendien

2005       
The Henry L. and Natalie E. Freund Teaching Fellowship, Washington University / St. Louis Art Museum
MacDowell Colony, Artist Residency, New Hampshire
2001       
Arts Council Award for Art

Einzel- und Gruppenausstellungen u. a. im St. Louis Art Museum, St. Louis (Missouri), Museum of Contemporary Art, Chicago, in der Kavi Gupta Gallery, Chicago, der Finesilver Gallery, San Antonio (Texas), der Saatchi Gallery, London und der Momentum Gallery, Berlin.


Literatur

Universal Experience. Art Life and the Tourist's Eye, Ausst. Kat. Museum of Contemporary Art, Chicago 2005.
Here and Now, Ausst. Kat. Chicago Cultural Center, Chicago 2002.