Künstler

Tilo Schulz

Schultafeln und einfache Hartfaserplatten dienten dem in Leipzig lebenden Künstler Tilo Schulz in den 1990er Jahren als Untergründe, um mit Acryl, Tafellack oder Kreide geometrische Formen und Muster aufzutragen. Diese Formtafeln loten nicht allein das Verhältnis von abstrakten Figuren und planen Flächen aus, sondern auch die Beziehung, die zwischen den Tafeln und dem umgebenden Raum besteht. Die Gratwanderung zwischen malerischen und skulpturalen Objekten kündigte bereits den Grenzgang zwischen verschiedenen Gattungen und Bereichen der Kunst an, der seit 1997 einen Schwerpunkt der künstlerischen Praxis von Tilo Schulz bildet.

Die Ausstellung Kunst in der Leipziger Messe, die 1997 mehrere Kunst-am-Bau-Projekte vorstellte, scheint in dieser Hinsicht einen wichtigen Wendepunkt zu markieren. Anstatt eine Arbeit von materieller Dauer zu schaffen, betätigte sich Schulz als Vermittler für die Ansätze und Inhalte seiner ebenfalls an der Ausstellung beteiligten Kolleginnen und Kollegen. Neben seiner kuratorischen und publizistischen Tätigkeit dehnte Schulz die Reflexion der Bedingungen, unter denen Kunst entsteht, vermittelt und vermarktet wird, zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Phänomen ‚Kunstausstellung’ aus. In der seit 1998 entstehenden Werkgruppe body of work: the ideal exhibition – category:… beschäftigt er sich systematisch mit diesem Thema.  Traditionslinien der Konzeptkunst und der künstlerischen Institutionskritik fortführend, setzt sich Schulz mit Elementen auseinander, die die Erscheinung einer Ausstellungen zwar wesentlich bestimmen, die an sich jedoch selten im Zentrum des Interesses stehen wie etwa das Ausstellungsplakat oder die Einladungskarte. Eine bedeutende Rolle spielen hierbei auch Fragen der räumlichen Ausstattung, so dass sich eine Kategorie von body of work mit dem Thema der Wandmalerei befasst. Hierfür entwickelt Schulz Elemente, die allgemein eher dem Bereich des Kunsthandwerks oder der Innenarchitektur zugeordnet werden wie eine Wandmalerei mit breiten Streifen in sattem Orange oder ein kleines, ebenfalls in Orange gehaltenes Wandregal.

Neben strukturellen widmet sich Schulz auch gesellschaftspolitischen Themen, die etwa Fragen geschlechtsspezifischer Rollenmodelle berühren oder den politisch aufgeladenen, zwischen Formalismus und Realismus pendelnden kunstkritischen Diskurs während des Kalten Krieges. In Werken wie den 2004 entstandenen Intarsien-Arbeiten führt er seine Auseinandersetzung mit diesem Themenfeld fort, indem die Frage der künstlerischen Autonomie und Originalität in den Blickpunkt gerückt wird.

Tilo Schulz

1972 geboren in Leipzig

lebt in Leipzig

Lehre / publizistische Tätigkeit

2005
Gastdozent Zeppelin University, Friedrichshafen

2003/04
Gastdozent Universität Witten/Herdecke

2002/03
Gastdozent an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

2000-2004
Mitherausgeber und -gründer der Kulturzeitschrift <spector cut+paste>

seit 1996 Seminare und Konsultationen an Kunsthochschulen in Weimar, San Francisco,
Malmö, Stockholm, Edinburg, Columbus/Ohio, u.a.

Stipendien / Preise

2006    
Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Leipzig

2003    
Forschungsstipendium des Friedrich-Kiesler-Zentrum und q21, Wien

2001    
Max-Pechstein-Preis
Reisestipendium des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur Sachsen, Columbus, USA

1999    
IASPIS, Stockholm, S

1996    
Stipendium des „Pépinières européennes pour jeunes artistes“, Norwich, GB
Projektstipendium des Kunstfonds e.V., Bonn

1995    
Stipendium der Leipziger Künstlerförderung, Leipzig

1993    
Deutscher Künstlerbund Preis

Einzel- und Gruppenausstellungen u. a. im Ileana Tounta Project Space (Athen), Bregenzer Kunstverein, in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, der Dogenhaus Galerie, Leipzig, bei Jan Winkelmann / Berlin, im Springhornhof Neuenkirchen und im Refusalon, San Francisco, im Artist Space, New York, im Frankfurter Kunstverein und im Lenbachhaus, München.

Kurator von Ausstellungen u. a. für die Meisterhäuser des Bauhaus in Dessau, für die Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig und das Moderna Museet Stockholm.

Literatur

Formschön. Tilo Schulz, Ilina Koralova (Hg.), Ausst. Kat. Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig, Berlin 2007.
Tilo Schulz, re:xxx, Frankfurt am Main 2002.