Künstler

ULF PUDER

Im Jahr seines Abschlusses an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig schuf der Maler Ulf Puder 1992 eine Serie von Zeichnungen in fahlen, erdfarbenen Tönen, die eine Welt von Mischwesen, von Chimären zeigt. Die Gestalt der Figuren scheint teils aus organisch-kreatürlichen (Chimära XXIII), teils aus mechanisch-konstruktiven Prinzipien hervorzugehen (Chimära X). Entgegen der negativen, mit Gewalt behafteten Bedeutung, die der Chimäre in der griechischen Mythologie zukommt, wirken Puders Fabelwesen nicht wie mordende Bestien. Vielmehr scheinen sie in der Leere des Raums verloren und machtlos zwischen Realität und Traum zu stehen.

Den Eindruck von Verlorenheit und Fremdheit erwecken auch die amorphen Figuren, die Puder in der Bildserie Gast entwirft, die ebenfalls Anfang der 1990er Jahre entstand. Seine 'Gäste' können kokonartige, mit Öffnungen versehene Körper haben, die an architektonischen Elementen wie Rahmen oder Kästen sitzen (Gast V) oder sie sind spiralförmig und erobern mit ihren Schlagschatten den umgebenden Raum (Gast IX). Trotz der Fremdheit dieser Figuren stehen ihre Positionen und Formen durch die Titel eng mit menschlichen Verhaltensweisen in Zusammenhang, ebenso wie in unserer Gesellschaft geht es hier um den Aufbau, die Gestaltung und die Vergeblichkeit von Beziehungen.

Bis heute setzen sich diese Themen in den Werken von Puder fort, dessen künstlerische Arbeit nicht nur Gemälde und Zeichnungen umfasst, sondern auch plastische und Raum bezogene Werke. Um 2004 entstanden mehrere großformatige Gemälde, in denen weniger natürliche Kreaturen, als vielmehr die Strenge und Kraft architektonischer Strukturen im Vordergrund stand. Mehr noch, die Architektur schien die Natur in Arbeiten wie Station und Ausweichquartier zurückzudrängen, um sie schließlich in Kolonie auf eine schemenhafte Gartenanlage zu reduzieren, deren Terrassen-Struktur der Anlage der umgebenden Architektur folgte.

Die Figürlichkeit und der Neorealismus dieser Szenen bringen die Gemälde von Puder in Parallele zu den Werken anderer in Leipzig ansässiger Maler, die in der jüngeren Kunstkritik unter dem Label der "Neuen Leipziger Schule" zusammengefasst werden. Bekannte Vertreter dieser Richtung in der zeitgenössischen figürlichen Malerei sind Neo Rauch, Tilo Baumgärtel und Matthias Weischer. Kennzeichnend für diese Malerei sind auch die Verfremdungen, mit denen der Realismus gebrochen wird. Im Fall der Werke von Puder gelingt dies über die Wahl der gedeckten Farbtöne, die Sichtbarlassung des Malprozesses und die Flachheit der Bildkomposition. Zudem lässt er das Narrativ ins Leere laufen, da die dargestellten Situationen bei aller oberflächlichen Vertrautheit dennoch nicht zu entschlüsseln sind. So führen die wenigen Menschen, die sich in den Gebäuden und Landschaften befinden keine klar einzuordnenden Handlungen aus; sie bleiben statische Protagonisten in einer absurden Szenerie, die in erster Linie einen Eindruck von Kälte und Verlassenheit bar jedes gesellschaftlichen Miteinanders hinterlässt.

Ulf Puder

1958        
Geboren in Leipzig

lebt in Leipzig und Liemehna


Ausbildung / Berufliche Tätigkeit

1976        
Lehre als Bleiglaser und Glasmaler

1977        
Ausbildung zum Tiefdrucker

1979-1982    
Arbeit als Tiefdrucker

1982        
Mitbegründer der Künstlergruppe PIG

1984-1989     
Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig bei Prof. Burger und Prof. Heisig

1989-1992     
Aufbaustudium bei Prof. Heisig
    
1990    
Fellow am Gloucestershire College of Art and Technology in Cheltenham (GB)

seit 1993    
Realisierung von Arbeiten im öffentlichen Raum, u. a. in Düsseldorf, Frankfurt an der Oder und Leipzig



Einzelausstellungen (Auswahl)

2007        
New Paintings and Drawings, Torch Gallery, Amsterdam
Drift, Dogenhaus Galerie, Leipzig

2006        
Zwischenhalt, Kavi Gupta Gallery, Chicago
Artcore Gallery, Toronto (CA)

2005        
Expand, Städtische Galerie Wolfsburg

2003        
Expedition, Dogenhausgalerie, Leipzig

2002        
Galerie Schwind, Frankfurt

2001        
Galerie Dube Heynig, München
Galerie Toennissen, Köln
        
2000        
Das große und das kleine Wetter, Dogenhaus Galerie, Leipzig
Galerie Pro-Arte, Freiburg
        
1998        
Galerie Dube Heynig, München
Galerie Toennissen, Köln
        
1997        
Dogenhaus Galerie, Leipzig

1996        
Flößers Korrektur, Galerie Schwind

1995        
Galerie Ilverich, Düsseldorf
Flößers Weg nach Kapernaum, Dogenhaus Galerie, Berlin
        
1993        
Galerie Tammen und Busch, Berlin
Dogenhaus Galerie, Berlin
Bewahrer, Galerie Schwind, Frankfurt am Main

1992        
Dogenhaus Galerie, Leipzig

1991        
Galerie Schwind, Frankfurt
Galerie Klostermühle, Hude

1990        
Galerie Toennissen, Köln
Galerie Samtleben, Potsdam



Gruppenausstellungen (Auswahl)

2008/2009    
1980 bis 2005, Museum Junge Kunst, Frankfurt an der Oder

2008    
Future Tense: Reshaping the Landscape, Neuberger Museum of Art, Purchase (NY)
The Leipzig Phenomenon, Mucsarnok Kunsthalle, Budapest

2007    
Die Elbe (in)between – Wasser, Ströme, Zeiten, Kunstmuseum Magdeburg
Size Matters XXL, HVCCA, Peekskill (NY)
Size Matters XS, HVCCA, Peekskill (NY)
Made in Leipzig. Kunst der Gegenwart Sammlung Essl, Schloss Hartenfels, Torgau

2006    
Archipeinture, Frac Île-de-France, Le Plateau, Paris und Camden Art Centre, London

2005        
The painter of modern life, Museum de Paviljoens, Almere (NL)
Prague Biennale 2, Prag
Zeitgenössische Kunst aus Dresden und Leipzig, Museo Municipal de
Málaga (ES)

2004        
Leipzig in Hamburg, Produzentengalerie Hamburg

2003    
Heckel, Marwan, Störtenbecker, Sovak, Weil, Puder, Drexler, Galerie Dube-Heynig, München

2000        
After the Wall, Nationalgalerie Hamburger Bahnhof - Museum für
Gegenwartskunst, Berlin

1999        
After the Wall, Moderna Museet, Stockholm
10 Jahre Galerie Schwind – Bilder und Skulpturen, Galerie Schwind, Frankfurt am Main

1997        
Leipziger Künstler, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Galerie Berggruen, San Francisco

1994    
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

1993    
Maison des Cultures Frontières, Freyming Merlebach
Goethe-Institut, Paris

1992    
Turning Points, Northern Gallery for Contemporary Art, Sunderland (GB)
Große Kunsthausstellung NRW, Düsseldorf    

1991        
Forum Junge Kunst ’91, Kunsthalle Kiel
Städtische Galerie Wolfsburg
        
1990        
Galerie East West, London

1989        
Galerie Bahnhof Westend, Berlin


Publikationen (Auswahl)

Ulf Puder, Drift, Nürnberg 2007.
Ulf Puder. Raumstück, Ausst. Kat. Städtische Galerie Wolfsburg, Wolfsburg 2005.
Ulf Puder, Flößer-Trilogie: Flößers Logbuch, Flößers Weg nach Kapernaum und Flößers Schrift zum Fluge, 3 Bd., Frankfurt am Main 1999.
Ulf Puder, Flößers Korrektur. Eine fiktive Beobachtung, Ausst. Kat. Galerie Schwind, Frankfurt am Main 1996.
Ulf Puder, Bewahrer, Ausst. Kat. Galerie Schwind, Frankfurt am Main 1993.
Ulf Puder, Chimära, Ausst. Kat. Dogenhaus Galerie, Berlin; Galerie am Chamissoplatz, Berlin, Berlin 1993.