Künstler

Matthias Hoch

1988 realisierte der Fotograf Matthias Hoch eine Serie von Farbaufnahmen, die verschiedene Bahnhöfe Ostdeutschlands zeigen, darunter auch Zwickau IV. Mit dieser Serie widersetzte er sich dem Trend der sozialkritischen Schwarz-Weiß-Reportage, die die DDR-Fotografie der 1980er Jahren prägte. In nuce ist hier bereits das Form-, Farb- und Detailbewusstsein zu erkennen, das Hochs konzeptuelle Fotografie bis heute kennzeichnet. Orte, an denen Transfer und Bewegung eine wichtige Rolle spielen, blieben ebenfalls seine bevorzugten Sujets.

So entstand 1996 in Zusammenarbeit mit Olaf Nicolai eine Serie an Aufnahmen in der Leipziger Telekommunikationszentrale. Extreme Ausschnitte der Innenräume und Nahansichten technischer Anlagen, wie in Leipzig # 7, lassen den funktionalen Kontext in den Hintergrund treten und konzentrieren den Blick auf den ästhetischen Eigenwert der fotografierten Gegenstände. Damit gelingt es Hoch, die soliden Seiten des an sich immateriellen und schwer darstellbaren Phänomens der Telekommunikation zu greifen.
Bis in die 1990er Jahre folgen Hochs Fotografien meist einer strengen Symmetrie, die sich an der vertikalen Mittelachse des Bildes orientiert. Bei Aufnahmen wie der 2001 entstandenen Fotografie Brüssel # 6 liegt der Fluchtpunkt der diagonal verlaufenden Neonlampen dagegen leicht links neben der Mittelachse knapp unter- und damit außerhalb des Bildes. Trotz der strengen Frontalität der Ansicht, die die rigide Rasterung der Fassade betont, wird dadurch der Blick auf die variantenreichen Fenstereinblicke und -spiegelungen gelenkt, die das Erscheinungsbild dieser Architektur bestimmt. Mit kompositorischer Präzision und Konzentration gelingt es Hoch, die fotografierten Motive in ihrer formalen Struktur und Wirkung freizulegen.


Matthias Hoch

1958 geb. in Radebeul

lebt in Leipzig

1983-88
Studium der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

1990 
DAAD-Stipendium an der Universität / GHS Essen

1991
Meisterschüler an der HGB Leipzig

1993 
DAAD-Studienaufenthalt in Großbritannien

1993-98
Künstlerischer Assistent an der HGB Leipzig

2001 
Fotografiestipendium der Stadt Ravensburg

2003 
Stipendium der Deutschen Akademie Villa Massimo, Rom

 

 

Ausstellungen (Auswahl)

2008  Visite, Kunst- und Ausstellungshalle Bonn (G)

The Leipzig Phenomenon, Mücsarnok Kunsthalle Budapest (G)

Carte Blanche: Freundliche Feinde, Gal. für Zeitg. Kunst, Leipzig (G)

2007 Picturing Eden, Museum of Photographic Arts, San Diego, CA

Fotografierte Landschaften, Museum der bildenden Künste Leipzig (G)

Leerräume des Erzählens, Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg (G)

2006  A noir, E blanc, I rouge, U vert, O bleu, Kunstmuseum Magdeburg (G)

Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen (E)

Studio d’Arte Contemp. Pino Casagrande, Rom (E)

Leonhardi-Museum, Dresden (E)

2005 Kunstverein Heilbronn (E)

Lindenau-Museum, Altenburg (E)

Der Blick auf Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden (G)

2004 Out of Place, Galerie Nordenhake, Berlin (G)

Yet Untitled – Die Sammlung Bernd F. Künne, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen / Kunsthalle Nürnberg (G)

2003 Galerie Akinci, Amsterdam (E)

Raum, Zeit - Architektur in der Fotografie, Oldenburger Kunstverein und Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Oldenburg (G)

2002  Kunsthalle Bremen (E)

Städtische Galerie Ravensburg (E)

2001 Galerie Nordenhake, Stockholm (E)

Trade, Fotomuseum Winterthur / Nederlands Foto Instituut, Rotterdam (G)

Depicting Absence – Implying Presence, Institute of Contemporary Art, San Jose, CA (G)

2000  Städtische Galerie Wolfsburg (E)

Suermondt Ludwig Museum Aachen (E)

Oldenburger Kunstverein (E)

Rocket Gallery, London (E)      

Zeitgenössische Positionen der Architekturphotographie, Museum Ludwig, Köln (G)

1999 Goethe-Institut London (E)

The Promise of Photography – Selections from the DG Bank Collection, P.S.1, New York

Insight Out, Kunstraum Innsbruck, u.a. (G)

1998 Galerie Condé/Goethe-Institut Paris (E)

1997 Galerie Christian Nagel, Köln (mit Olaf Nicolai)

Rena Bransten Gallery, San Francisco (E)

Distanz und Domizil, Kunsthaus Dresden (G)

record–six german artists, John Berggruen Gallery, San Francisco (G)

1996 Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen (E)

unikumok, Ernst Múzeum Budapest (G)

1995 Kunst-Werke Berlin (E)

Dogenhaus Galerie Leipzig (E)

1994 Werner Mantz Preis für Fotografie, Het Nederlands Fotomuseum, Sittard /

Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen (G)

1993  Deutsche Kunst mit Photographie – Die 90er Jahre, Architekturmuseum Frankfurt am Main, u. a. (G)

1992 Galerie Wilma Tolksdorf, Hamburg (E)

Zustandsberichte - Deutsche Fotografie der 50er bis 80er Jahre in Ost und West, Institut für Auslandsbeziehungen, Berlin (G)

1990 Kulturhaus Berlin-Treptow (E)

Bilder vom Neuen Deutschland, Städtische Kunsthalle Düsseldorf (G)

Leipziger Schule, HGB Leipzig, Staatliche Kunsthalle Berlin, u. a. (G)

1989 Photography in the GDR Today, National Museum of Photography, Film and Television, Bradford (G)

 

Publikationen

 

Matthias Hoch. Fotografien/Photographs, Ausst. Kat. Lindenau-Museum, Altenberg, Ostfildern-Ruit 2005.

Matthias Hoch. Begrenzte Übersicht, Köln 2002.

Matthias Hoch. Fotografien, Ausst. Kat. Oldenburger Kunstverein, Oldenburg 2000.

Matthias Hoch. Fotografien, Ausst. Kat. Städtische Galerie Wolfsburg, Suermondt Ludwig Museum Aachen, Wolfsburg 2000.

Matthias Hoch. Speicher, Ausst. Kat. Dogenhaus Galerie Leipzig; Goethe-Institut Paris, Leipzig 1998.

Matthias Hoch. Fotografien, Ausst. Kat. Kunst-Werke Berlin; Dogenhaus Galerie Leipzig, Berlin 1995.