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Projekte, die Hörmann zur Zeit fördert

In Rietberg beteiligt sich Dame Evelyn Glennie mit
einem Konzert für Schlaginstrumente.

Die Tonkunst von Evelyn Glennie, die im landläufigen Sinne als stark hörgeschädigt gilt, stellt  ihre Zuschauer vor die schwer zu beantwortenden Frage: Wieso hören wir eigentlich, was sie spielt. In ihren Äusserungen weist Glennie immer wieder darauf hin, dass unsere Klangempfindung nicht nur eine Sache der Ohren ist.

"Für mich steht ausser Frage, dass Musikerfahrung ausschließlich mithilfe der Ohren einer Nahrungsaufnahme-Erfahrung gleicht, die keinerlei Auskunft darüber gibt, wie die Nahrung schmeckt. Man ist zufrieden, dass sie sättigt und am Leben erhält. Man nimmt Konsistenz und Temperatur des Essens wahr. Es lässt sich jedoch keinesfalls behaupten, man habe damit wahrhaftig das Essen und sein Verhältnis zum eigenen Körper und Geist "erfahren"...... Uns kommt die Erfahrung, Musik durch unseren ganzen Körper zu "fühlen", abhanden. Wir verlassen uns allein auf unsere Ohren,  essen also, ohne zu schmecken."

(Aus: Evelyn Glennie, Vorwort zu: Salmon, Shirley: Hören, Spüren, Spielen. Musik und Bewegung mit schwerhörigen und gehörlosen Kindern. Reichert-Verlag,  2006.)


"'Taubheit' ist nicht gleichbedeutend mit 'nichts hören'... Selbst wenn du völlig 'taub' bist, kannst du immer noch Klänge hören-empfinden...
Eine mir häufig gestellte unüberlegte Frage lautet: Wie können sie eine Musikerin sein, aber nicht hören, was sie spielen? - Natürlich kann ich keine Musikerin sein, wenn ich nichts höre. - Häufig werde ich auch gefragt: Wie hören sie, was sie spielen? -  Meine logische Gegenfrage ist: Wie hören wir eigentlich?

Die im Ohr erzeugten elektrischen Signale zusammen mit weiteren von anderen Sinnen gelieferten Informationselementen erreichen das Gehirn, wo ein Klangbild entsteht. Die Prozesse, die Hören ausmachen, sind äusserst komplex. Sie laufen allerdings unbewusst ab. Wir fassen sie zu einer Empfindung zusammen, die wir schlicht Hören nennen. Für mich gilt genau das Gleiche. Einige der (bei mir) ablaufenden Prozesse und ursprünglichen Informationen mögen anders sein. Aber um Klang wahrzunehmen, muss ich nur (hin)hören. Ich weiss genauso wenig wie jeder andere, wieso ich höre.
(Aus: Evelyn Glennie, Hearing Essay

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Über Evelyn Glennie

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offizielle Website

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Thomas Riedelsheimer's Film "Touch the sound"
über Evely Glennie und ihre Musik

Glennies Reflexionen zum Hören "jenseits der Ohren" scheinen geeignet, auch Herbert Grönemeyers beliebten Song "Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist" (1983) besser zu verstehen. Darin heisst es:

"Sie mag Musik nur wenn sie laut ist. Das ist alles, was sie hört
Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist, wenn sie ihr in den Magen fährt.
Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist, wenn der Boden unter den Füßen bebt."

Das junge Mädchen des Songs, die so begeistert Musik fühlt, ist taub. Grönemeyer hat aber nicht nur für Menschen wie sie den Nagel auf den Kopf getroffen.

Grönemeyer-Fan-Kommentare:

Super,super song!!! mir geht es genauso wie dem mädchen. von nini (Gast)
find deinen song total super!!! dieses gefühl habe ich wenn ich meine Cis bzw. Hörgeräte raustue! ich bin dann auch taub. Ich bin schwerhörig und geh auf eine schule mit "tauben" Gehörlosen.... von wish name (Gast)

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